Damit der Wald schnell wachsen kann, wird das Rehwild benötigt!
Ein Bericht von Franz Xaver Namberger.
Zu „alten Zeiten" war die Anzahl des Rehwildes 10mal so hoch wie heute und trotzdem waren die Fegeschäden und der Verbiss sehr gering. Im Laufe der Zeit änderte sich
jedoch einiges - und das Motto „Wald vor Wild" sollte die Lösung bringen.
Die Bilanz im Jahre 1997 sah im Revier meines Vaters in Wolkersdorf bei Traunstein (560 HA) wie folgt aus: Der Dreijahresabschuss war bei 143 Rehe. Diese Abschussquote war jedoch viel zu hoch
(8,5 Rehe auf 100 HA) - und der Verbiss im Wald keinesfalls tragbar.
Im Jahr 1999 legte ich die Jägerprüfung erfolgreich ab und übernahm das Revier meines Vaters. Bereits im Jahr 2000 machte ich mir Gedanken über das Thema „Wald mit
Wild". Denn der Verbiss war trotz hoher Abschusszahlen immer noch zu groß! Diese Tatsache bestätigten auch viele betroffene Bauern. Wo versucht wurde, möglichst alle Rehe zu erlegen, sei der
Verbiss seit 50 Jahren nicht mehr so schlimm gewesen wie jetzt.
Die Ursachen konnte ich nach langer Beobachtungszeit wie folgt erklären:
Gott sei Dank kann niemand die Rehe gänzlich ausrotten! Doch wenn nur geschossen und nicht gefüttert wird, so entsteht damit der größte Verbissschaden.
Ein Reh benötigt im Winter durchschnittlich 450 g Futter am Tag. Von November bis April ergibt das zusammen ca. 85 kg pro Reh. Wenn man nun diese 85 kg in Leit- und Seitentriebe umrechnet, dann
ergeben sich daraus sehr viele Bäumchen.
Mit diesen Erkenntnissen entwickelte ich daraufhin ein Wildfutter, dass ich auch im Revier Wolkersdorf einsetzte. Durch meine Fütterung und normaler Jagd konnten ich bereits im Jahr 2003
feststellen, dass der Fichten- und Tannenverbiss nicht mehr vorhanden war! Im Idealfall äst das Rehwild neben meinem Futter auch Springkraut und Brombeerblätter. Der Höhepunkt in diesem Jahr war
dann die Bescheinigung eines sehr guten Waldzustandes von den Waldbauern. Die Folge aus meiner Aktion „Wald mit Wild" war, dass der Abschuss deutlich gesenkt werden konnte (3,8 Rehe auf 100
HA)!
Diesen Erfolg konnte ich aber nur durch folgende Maßnahmen erreichen:
Wichtig dabei ist, dass ab Februar kein Hafer verfuttert wird!
Das angrenzende Jagdrevier in Chieming (Mitte Eglsee, 227 HA) konnte ich glücklicherweise im Jahre 2004 zusätzlich pachten. Dort war der Verbiss an Nadel- und Laubbäumen zu hoch! Somit
entwickelte ich mein Futter abermals weiter: Diesmal für Buche, Ahorn, Esche, Erle, Vogelbeere, Eiche, Kirschbaum, Nussbaum, Heimbuche und Lärche.
Bei einer Waldbegehung im Frühjahr 2007 schaute ich mit einem Waldbesitzer mein Eglsee-Revier (227 HA) an. Wir waren beide begeistert, wie sich der Waldzustand
verbesserte. Daraufhin sagte der Waldbesitzer zu mir, dass der Abschuss auf meinem Revier gesenkt gehört.
Damit wurde meine bisherige Vorgehensweise (80% Futter füttere ich an Bäumen, 20% in Futterautomaten) klar bestätigt. Außerdem konnte das Wildbrettgewicht
durchschnittlich von 11 kg auf 20 kg gesteigert und die Fleischqualität stark verbessert werden! Das Springkraut und die Brombeeren äsen die Rehe mit vorliebe. Auffällig ist: Wo im Wald die
meisten Rehe einstehen, wächst der Wald am
schnellsten!
Die Pflanzung in meinem Revier:
4.000 Bäume mit 80-120 cm Höhe --> Kein Rehverbiss vorhanden.
3.200 Bäume mit 60-80 cm Höhe --> Kein Rehverbiss vorhanden.
700 Bäume mit 40-120 cm Höhe --> Kein Rehverbiss vorhanden.
Im Jahr 2001 stellten wir in einem Kahlschlag eine Jägerkanzel auf. Die Bäume waren zwischen 10 - 30 cm hoch (Naturverjüngung). Bereits im Jahr 2003 mussten wir die Kanzel höher setzten. Und im Jahr 2004 konnten wir die Jagd nicht mehr ausüben und entfernten die Kanzel. Jetzt im Jahr 2007 sind die Bäume bis zu 5 Meter hoch! Genau so muss der Wald wachsen!
Im Frühjahr 2008 fand in meiner Jagd Chieming Mitte ( Teil Eglsee) eine Waldbegehung auf Wunsch eines Waldbauern statt, der die letzten 3 Jahre dort Holzarbeiten verrichtete. Es waren 45 Personen anwesend, davon waren 30 Waldbauern. Bei der Begehung stellte sich heraus, dass der Waldzustand hervorragend ist. Der Wald sei sehr schnell gewachsen und der Rehwildbestand sehr hoch. Dies war für mich die Bestätigung: Hoher Wildbestand, richtige Fütterung, super Waldzustand. Der Wald kann schnell wachsen, weil Rehe Springkraut, Brombeere, Himbeere und Heidelbeere extrem äsen. Die Waldbauern sagten zu mir, ich könne sehr stolz sein, was ich in den letzten Jahren erreicht habe und das bin ich auch. Ich gebe meine Erfahrungen pro Jahr an 150-200 Waldbauern, Jäger, Jagdpächter und Jagdgenossenschaften weiter. Zum Beispiel kam im Sommer 2008 eine Jagdgenossenschaft zu mir, von der die Vorstandschaft, die Jagdpächter und die Jäger begeistert waren und deshalb entschlossen haben, den Abschuss und das Füttern genauso zu machen. Sogar ein Waldbauer mit 80 Jahren sagte:,, Bua, Du host recht!", was mich besonders freute. Der Vorstand erzählte mir am Telefon, er habe ein Waldstück mit 90% Tannenverbiss. Darauf fragte ich Ihn, ob sein Wald an einer Jagdgrenze sei. Er antwortete, dass es an einer Jagdgrenze sei und ich erzählte Ihm, dass es bei uns vor meiner Zeit genauso war. 2004 konnte ich dann die Nachbarjagd pachten, was für den Wald positiv war, wie sich nun heraus stellte. Denn als wir dort an der Jagdgrenze den Wald besichtigten, stellten wir einen super Waldzustand fest. Dafür ist es meiner Meinung nach notwendig, dass man die Rehe an den Grenzen füttert, die Jagd normal betreibt( 3,8 Rehe pro 100 ha) und ab dem 15. Oktober keine Jagd mehr auf Rehwild ausführt (Winterruhe).
Das Wichtigste ist der Wald!!! Wir müssen wirklich alle zusammenhelfen !!!
Die Aufgabe der Jagd ist es, einen artenreichen und gesunden Wildbestand in einem ausgewogenen Verhältnis zu den natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten. Und unser
heimisches Wild gehört zur Lebensgemeinschaft Wald!
Damit der Wald schneller wachsen kann.
Zusammengefasst:
Normaler Wildbestand, gesundes Wild, kein Verbiss, hervorragender Waldzustand!
Man muss einfach zuschauen können, wie der Wald wächst - trotz Rehbestandes!
Nehmen wir die machbare Herausforderung „Wald mit Wild" an und helfen alle zusammen:
- dem Wald zuliebe,
- dem Jäger und dem Wild zuliebe,
- dem Waldbauern zuliebe,
- der Umwelt zuliebe und
- erst recht unseren Kindern zuliebe!
Rehe sind nützlich,
Rehe äsen extrem viel Springkraut und Brombeeren, dadurch kommt mehr Licht
durch und die Bäume können schneller wachsen.
Rehe lockern den Boden auf wo sie nachts liegen, die kleinen Bäumchen wachsen
an diesen Stellen, dadurch mehr Waldzuwachs.
Fazit: Wo die meisten Rehe einstehen und richtig gefüttert werden entsteht der beste Wald.
Jagddruck vermeiden
Ab 15. Oktober werden bei mir keine Rehe geschossen ( Winterruhe)
Der Verbiss ist in den Monaten November, Februar und März am schlimmsten.
Darum ist die Fütterung vom 1. November bis 30. April enorm wichtig.
August 2009
Franz Xaver Namberger